Coronavirus und Geld

Warum wir jetzt digitale Währungen brauchen, um weltweit das Bargeld zu ersetzen

Wer momentan in den Supermarkt geht, um das Nötigste zu besorgen, stellt schnell fest: Bargeld ist in den meisten Geschäften nicht mehr gern gesehen. Selbst bei kleinen Beträgen wird bereits um Zahlung mit Karte oder Smartphone gebeten. Dass der häufige Umgang mit Bargeld die Verbreitung von Krankheiten begünstigt, wissen wir schon länger.

Bargeld wechselt häufig den Besitzer und gelangt so innerhalb kürzester Zeit in viele verschiedene Hände. Scheine und Münzen sind deshalb ähnlich keimbelastet wie öffentliche Toiletten oder die Haltestangen in Bus und Bahn. Auch wenn sich im Regelfall nur ein Teil der Bakterien vom Geld löst und an den Fingern haften bleibt, stellt sich die Frage: Warum gehen wir diese Gefahr überhaupt noch ein?

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Gesundheitskrisen und Bargeld

Ob SARS im Jahr 2003, die Schweinegrippe 2009, MERS 2012, Ebola 2014 oder die aktuelle Coronavirus-Pandemie – die globale Liste viraler Ausbrüche wird immer länger. Offene Grenzen, internationaler Handel und die große Reiselust vieler Menschen beschleunigen den Verbreitungsgrad viraler Infektionen. Innerhalb kürzester Zeit können dadurch Menschen in allen Teilen der Welt betroffen sein.
Spätestens seit Corona ist klar: Ausbrüche lassen sich immer weniger kontrollieren. Bricht ein Virus einmal aus, entsteht allgemeine Panik und Hamsterkäufe beginnen. Gezahlt wird hauptsächlich mit Bargeld. Mobile Zahlungsmethoden werden in den wenigsten Ländern routiniert eingesetzt. Gerade in Krisenzeiten tendieren Menschen nach wie vor dazu, auf Bargeld zu setzen, statt neuen Technologien zu vertrauen.

Große Handelsunternehmen unterbinden Umgang mit Bargeld

Der Handel hat vielerorts reagiert und teils strikte Maßnahmen ergriffen. Große wie kleine Geschäfte versuchen sowohl den Erhalt, als auch die Ausgabe von Bargeld zu vermeiden. Oft wird um Zahlungen mit Karte, oder besser noch, um kontaktloses Zahlen mit dem Smartphone gebeten. So erhielten Kunden der größten europäischen Drogeriemarktkette dm am Wochenende eine Email mit der ausdrücklichen Bitte, in allen Filialen wenn möglich bargeldlos mit Karte, kontaktlos oder direkt mobil zu zahlen. So sollen besonders die 62.000 Mitarbeiter in den rund 3.700 dm-Filialen geschützt werden.

Der Schutz der Mitarbeiter steht auch im öffentliche Nahverkehr an oberster Stelle. Viele Betriebe reagierten deshalb gleich zu Beginn der Krise. Die Berliner Verkehrsbetriebe veranlassten umgehend strikte Maßnahmen, um besonders die Ansteckungsgefahr für Busfahrer zu minimieren. Einsteigen dürfen Passagiere in den rund 1.400 Bussen der Stadt nur noch durch die hinteren Türen. Tickets können beim Fahrer gar nicht mehr gekauft werden. Der Umgang mit Bargeld wird konsequent unterbunden.

Regierungen bitten um bargeldlose Zahlungen und verbrennen Geldscheine

Auch auf internationaler Ebene reagieren die Länder. In Indien forderte das Finanzministerium Banken in einer Mitteilung auf, Kunden dazu anzuhalten, künftig bargeldlos zu zahlen. Der Umgang mit Bargeld begünstige möglicherweise weitere Ansteckungen und solle deshalb unterbunden werden. Indien ist aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte besonders gefährdet.
Ein ähnliches Problem hat die Volksrepublik China. Dort klingt der Virus zwar scheinbar endlich ab. Die Regierung greift allerdings weiterhin zu drastischen Maßnahmen. So plant die chinesische Zentralbank die Verbrennung größerer Mengen Bargeld. Besonders Papierscheine die auf Märkten, in Krankenhäusern oder Linienbussen eingenommen wurden, sollen zerstört werden. Die Zentralbank plant, stattdessen frisch gedruckte Scheine im Wert von rund 600 Milliarden Yuan (rund 76 Milliarden Euro) in Umlauf zu bringen. Südkorea hat bereits bekanntgegeben, dass es mit ähnlichen Maßnahmen nachziehen will.

Tatsächlich wird der Austausch von Geldscheinen und die Desinfektion von Münzen aus gesundheitlichen Gründen in vielen Ländern regelmäßig praktiziert. Das Grundproblem ist demzufolge international bekannt.

In welchen Ländern das meiste Bargeld im Umlauf ist

Wieviel Bargeld in Form von Geldscheinen und Münzen im Umlauf ist, unterscheidet sich erheblich von Land zu Land. Spitzenreiter weltweit sind die USA. Dort waren im Jahr 2018 Geldscheine und Münzen im Wert von mehr als 1,5 Billion Euro im Umlauf. Die Eurozone kann durchaus mithalten. In den 19 EU-Ländern, die den Euro als Währung nutzen, waren 2018 gut 1,3 Billion Euro im Umlauf. Auch die Volksrepublik China gehört mit etwas mehr als 1 Billion Euro zu den Ländern, in denen weltweit das meiste Bargeld zirkuliert.
Allerdings gibt es auch Länder, in denen zwar der Gesamtwert von Geldscheinen und Münzen im Umlauf nicht annähernd so hoch ist, wie etwa in China oder den USA. Dafür sind aber die Bargeldmengen pro Einwohner deutlich erhöht. So verfügen Einwohner der vergleichsweise kleinen Schweiz, mit durchschnittlich 9.407 Euro weltweit über die größte Menge Bargeld. Auf die Schweiz folgt eines der kleinsten Länder der Welt: In Hong Kong besitzt jeder Einwohner im Durchschnitt 7.820 Euro Bargeld. In Japan verfügt jeder Einwohner immerhin noch über Bargeld in Höhe von 7.647 Euro.

Nicht alle Länder ergreifen Maßnahmen

Trotz großer Mengen Bargeld, die weltweit im Umlauf sind, werden Hygienemaßnahmen nicht überall konsequent durchgesetzt. Im Gegenteil: Einige Länder halten gerade jetzt an Bargeldzahlungen fest. Die kanadische Zentralbank zum Beispiel veröffentlichte unlängst eine Mitteilung, in der sie kanadische Handelsunternehmen darum bat, weiterhin Bargeldzahlungen von Kunden zuzulassen. Viele Menschen hätten schlicht nicht die Möglichkeit, andere Zahlungsmittel zu nutzen und seien deshalb weiterhin auf Zahlungen mit Bargeld angewiesen. Gerade bei älteren Generationen, die sich mit digitalen Bezahltechnologien oftmals nur wenig auskennen, ist dies tatsächlich ein Problem. Dabei ist es gerade diese Bevölkerungsgruppe, für die der Coronavirus besonders gefährlich ist.

Notwendigkeit für digitale Währungen steigt

Besonders in Zeiten, in denen der Umgang mit Bargeld für Menschen weltweit ein potenzielles gesundheitliches Risiko darstellt, wird einmal mehr klar: Die Welt braucht digitale Währungen. Gespräche darüber gibt es schon länger, aber konkrete Planungen sind bisher Mangelware.  Dabei fehlt es gerade in Hinblick auf die Ausbreitung des Coronavirus an ernsthaften Bemühungen um die Entwicklung digitaler Volkswährungen. Bei dieser Art von Währung, auch Central Bank Digital Currency (CBDC) genannt, handelt es sich um traditionelles Geld, das von der Zentralbank des jeweiligen Landes in digitaler Form ausgestellt und ausgegeben wird. Projekte dazu gibt es bereits in vielen Ländern – sie stecken allerdings noch weitestgehend in den Kinderschuhen.
Einzige Ausnahme: Die Volksrepublik China. Das Land steht bereits kurz davor, eine digitale Landeswährung herauszubringen. Der digitale Yuan soll bereits in den nächsten Monaten kommen. Der extreme Ausbruch des Coronavirus in China wird diesen Vorgang sicherlich noch weiter beschleunigen. 

Auch die Eurozone braucht dringend einen digitalen Euro, der voll einsetzbar und programmierbar ist. Gerade in Zeiten zunehmender Pandemien können digitale Währungen mit einfach zu bedienenden, kontaktlosen und voll integrierten Zahlvorgängen einen echten Nutzen für Menschen haben und dazu beitragen, die Verbreitung viraler Ausbrüche einzudämmen.